Aus unserem Leben

Mein Gebet hat keine feste Ordnung. Das fast immer Gleichbleibende ist in der Früh ein bewußt vollzogenes Kreuzzeichen (meist beim Abreißen der Kalenderblätter). Im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes. Wobei ich mir den Schöpfer... den Menschen... die Führung durch Seinen Geist... gegen- wärtig zu machen versuche.
Fallweise lese ich einen Psalm, abends meist ein Stück aus dem Evangelium.
Im übrigen gelten für mich die Worte des Angelius Silesius... Der Augenblick ist dein - und nimmst Du den in acht, so ist der dein, der Zeit und Ewigkeit gemacht.


Den Tag beginne ich mit einer liebenden Zwiesprache, die aus Dank für das Erwachen und der Bitte um Schutz und Beistand für mich und meine Lieben besteht. Anschließend bete ich die Laudes.
Am Weg zum Gottesdienst bringe ich meine Anliegen im Formelgebet vor Gott, mit ziemlich fixem Ablauf. Der Tagesverlauf hängt von den Aufgaben, Begegnungen und familiären Situationen ab. Besonders, wenn es Probleme gibt, ziehe ich mich in meine Gebetsecke zurück und führe liebende Zwiesprache.
Bin ich unterwegs, so bete ich Rosenkranz oder versuche die Tagestexte zu bedenken.
Der Abschluß des Tages ist für mich ganz wichtig, wo ich mit Dank beginne für alles was ich erleben durfte, was mir geschenkt wurde und auch um Verzeihung bitten für alles was ich gefehlt habe. Für mich ist Gebet wie Reden mit einem Freund, der immer für mich Zeit hat.


Deine Frage kommt sehr plötzlich, und ichmuß ein wenig innehalten, um darauf antworten zu können... Zu beten bedeutet für mich immer wieder ein neues Suchen, wann, wo und wie ich bete. Dabei gibt es Durststrecken, aber auch ein tiefes Erleben dann und wann.
Einmal finde ich mich still ein vor Gott, um einfach nur zu hören, ein andermal mit einem stummen Schrei im Angesicht der Not so vieler Menschen auf der Welt.
Im Alltag suche ich, wenn ich auf Menschen schaue oder Situationen, Konktagt mit IHM (wenn auch nur kurz) vertrauend, dass er mit mir und den anderen ist.
Dann wieder teile ich die Zeit so ein, dass ich mit Worten aus der Bibel bete, mit Psalmen, die ein anderer geschrieben hat und die doch eines Tages auch die meinen werden. So trägt mich dann ein Psalmvers oder nur ein einziges Wort der Schrift durch manche Dunkelheit. Am Abend schau ich gerne auf den Tag zurück, auf alle Menschen, denen ich begegnet bin, auf alles, was mich erfreut hat oder auch belastet. In Gottes Händen weiß ich den Tag geborgen, mit allem, was ihn ausgefüllt hat. Daraus wächst Dankbarkeit.
Nicht selten kommt es leider vor, dass viele Dinge, die zu tun sind, sich in mein Beten drängen und mich ablenken. Dann beginne ich einfach von neuem. Dazu hilft mir, einfach ruhig ein- und auszuatmen - mit der vertrauensvollen Bitte, dass Seine Kraft mit meiner Schwäche zusammenwirken kann. In meinen Jugendjahren war mein Beten oft ein Handeln mit dem lieben Gott. Heute bin ich dankbar, dass sich mein Beten wandeln konnte: vom angelernten und doch so notwendig gewesenen kindhaften Beten, über strenge Gebetsformen zur freien, vertrauensvollen Hinwendung mit meiner persönlichen Sprache.
Das Buch des Lebens ist und bleibt mein ständiger Begleiter. Und wenn in meinem Suchen und Fragen, wie kann ich diese oder jene schwierige Situation oder Begeg- nung bewältigen, ein Wort der Schrift in mir aufsteigt und zur Wegweisung wird, dann kann es sein, dass meine Gedanken, meine Worte, sich in mir mit einer Melodie, mit einem Lied verbinden - als Ausdruck meiner Dankbarkeit...
Die Art und Weise zu beten kann so reich, so vielfältig sein. Und eigentlich suche ich immer wieder neu, wie mein Beten sich in meiner Alltagswirklichikeit noch wesentlicher vertiefen kann.
Ja, das ist ein Versuch zu sagen, wie ich bete, es ist mein ganz persönlicher.